DocMorris

DocMorris

Online-Apotheke / E-Commerce · Schweiz

Unabhängig belegt

DocMorris: AI-First-Strategie mit Stellenabbau und Partnerschaft mit Google

Reifegrad: Im Einsatz

Im Register seit 27.06.2026. Wir verfolgen, was aus diesem KI-Einsatz wird.

Wie nutzt DocMorris KI?

DocMorris automatisiert Standardprozesse in Softwareprogrammierung, Marketing und Dokumentenanalyse mithilfe von KI und baut dafür gruppenweit rund 100 Vollzeitstellen ab.

Softwareentwicklung, Marketing, DatenanalyseAI-First-Strategie: Automatisierung von Standardprozessen in Softwareprogrammierung/-wartung, Marketing und Dokumentenanalyse

Auf einen Blick

Unternehmen
DocMorris
Land
Schweiz
Funktion
Softwareentwicklung, Marketing, Datenanalyse
Ergebnis
Mindestens 15 Mio. CHF jährliche Kosteneinsparungen ab Ende 2027; Abbau von rund 100 Vollzeitstellen

Ausgangslage

DocMorris ist eine börsennotierte Online-Apotheke mit Sitz in Frauenfeld (Kanton Thurgau) und beschäftigte Ende 2025 insgesamt 1418 Mitarbeitende in Deutschland, den Niederlanden, Spanien, Frankreich, Portugal und der Schweiz. Das Unternehmen bedient nach eigenen Angaben 11 Millionen aktive Kundinnen und Kunden. Im Juni 2026 gab DocMorris die Beschleunigung ihrer „AI-First"-Strategie bekannt und verknüpfte dies mit einer strukturellen Reorganisation.

Was das Unternehmen konkret macht

DocMorris setzt KI gezielt zur Automatisierung von Arbeitsprozessen in drei Bereichen ein: Standardprozesse in der Softwareprogrammierung und -wartung, kreative und planerische Aufgaben im Marketing sowie die abteilungsübergreifende Analyse umfangreicher Dokumente und grosser Datenmengen. Ziel ist es laut Unternehmensangaben, durch diese Automatisierung Kapazitäten für kundennahe Services und Innovationen freizusetzen.

Im Zuge dieser Massnahmen baut DocMorris gruppenweit rund 100 Vollzeitstellen ab. Davon sind 100 Mitarbeitende bereits von der Schliessung des Standorts Ludwigshafen per Ende Juni betroffen. Das Unternehmen kündigt an, betroffene Mitarbeitende mit Abfindungspaketen zu unterstützen.

Parallel dazu investiert DocMorris in eine digitale Gesundheitsplattform: In Zusammenarbeit mit Google werden KI-Funktionen auf Basis der Gemini-Modelle und der Google-Cloud-Infrastruktur eingesetzt. Vorgesehen sind ein digitaler Gesundheitsbegleiter, der Nutzerinnen und Nutzer von der Symptomwahrnehmung bis zur Einlösung eines E-Rezepts unterstützt, sowie eine konversationsbasierte KI für das Online-Apotheken-Erlebnis. Die Infrastruktur wird auf Google Cloud migriert, wobei die Verarbeitung personenbezogener Gesundheitsdaten ausschliesslich in EU-Rechenzentren erfolgen soll.

Technik & Ansatz

DocMorris nutzt laut Unternehmensangaben KI und sogenannte Agentic-AI-Tools zur Optimierung und Automatisierung von Arbeitsabläufen im gesamten Unternehmen. Für die Gesundheitsplattform kommen Googles Gemini-Modelle sowie Google Cloud zum Einsatz. CEO Walter Hess betont dabei die Bedeutung der digitalen Souveränität: „By using Google's world-class AI infrastructure, we are giving individuals direct, secure access to their own health journeys through a personalized and intuitive experience. We have intentionally chosen Google as our partner because they enable us to maintain full digital sovereignty while meeting the highest requirements for data privacy and security."

Die strategischen Säulen der Plattform bleiben laut Pressemitteilung vom 25. Juni 2026 bestehen: Online-Apotheke, Telemedizin, Retail Media, Marktplatz und der KI-Gesundheitsassistent.

Ergebnisse

Die einmaligen Kosten der Restrukturierung beziffert DocMorris auf 5 Millionen Franken. Einen positiven Ergebnisbeitrag erwartet das Unternehmen bereits in der zweiten Jahreshälfte 2026. Die jährlich wiederkehrenden Kosteneinsparungen sollen sich ab Ende 2027 auf mindestens 15 Millionen Franken belaufen.

An der Börse reagierten Anlegerinnen und Anleger positiv: Die DocMorris-Aktie stieg kurz nach der Ankündigung um knapp 8 Prozent. Analysten begrüssten die Massnahmen grundsätzlich, wiesen jedoch auf die Bedeutung einer Balance zwischen Wachstum und Kosteneffizienz hin.

Einordnung

Externe Beobachter ordnen den Schritt in einen breiteren Trend ein. Romano Roth, Group Chief AI Officer bei der Beratungsfirma Zühlke, warnt vor überhöhten Erwartungen: „Bei den meisten Firmen zahlen sich die KI-Investitionen noch nicht messbar aus." Er gibt zudem zu bedenken, dass Stellenabbau-Ankündigungen mit KI-Begründung in einigen Fällen primär dazu dienten, Investorinnen und Investoren zu signalisieren, weil eine KI-Botschaft „besser klingt als das Eingeständnis, dass das Geschäft schwächelt."

Michael Siegenthaler vom KOF Institut hält fest, dass sich der Stellenmarkt vor allem in IT-Berufen und sprachbasierten Rollen seit 2024 verschlechtert habe. Gleichzeitig betont er, dass bei jeder Technologieadaption auch neue Jobprofile entstünden. Offen bleibt laut Siegenthaler, „inwiefern sich die erhofften Produktivitätsgewinne im täglichen Arbeitsprozess tatsächlich realisieren lassen".


Quellen

Unabhängig belegt

Von einer unabhängigen Quelle (Redaktion/Dritter) berichtet, nicht nur vom Unternehmen oder KI-Anbieter.

KI Cases fasst öffentlich berichtete Einsätze neutral zusammen und verlinkt die Originalquellen. Maßgeblich ist die jeweilige Quelle.

Jede Woche neue KI-Fallstudien

Wie Unternehmen KI wirklich einsetzen: kuratiert, mit Quelle. Der Newsletter startet bald, trag dich ein und sei von Anfang an dabei.

Abonnieren