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Fujitsu

Technologie / Fertigung · Japan

Unabhängig belegt

Fujitsu entwickelt gemeinsame KI-Robotersteuerungsplattform mit FANUC, Yaskawa und Kawasaki

Reifegrad: Pilot / Test

Im Register seit 21.07.2026. Wir verfolgen, was aus diesem KI-Einsatz wird.

Wie nutzt Fujitsu KI?

Fujitsu entwickelt zusammen mit FANUC, Yaskawa Electric und Kawasaki Heavy Industries eine gemeinsame Steuerungsplattform für Physical AI, die auf Nvidia-Technologien aufbaut und autonome Robotersteuerung in Fertigung, Logistik und Gesundheitsversorgung ermöglichen soll.

Robotersteuerung in Fertigung, Logistik, GesundheitswesenGemeinsame KI-RobotersteuerungsplattformNVIDIA Cosmos-Plattform

Auf einen Blick

Unternehmen
Fujitsu
Branche
Technologie / Fertigung
Land
Japan
Funktion
Robotersteuerung in Fertigung, Logistik, Gesundheitswesen
KI-Technik
NVIDIA Cosmos-Plattform
KI-Anbieter
NVIDIA (Sitz: USA, außerhalb der EU)

KI-Anbieter = Unternehmenssitz des genutzten Anbieters. Wo Daten konkret verarbeitet werden, hängt von Region und Vertrag ab. Keine Aussage zur DSGVO-Konformität.

Ausgangslage

Japan steht vor einem strukturellen Arbeitskräftemangel, der durch die alternde Bevölkerung und den Rückgang qualifizierter Fachkräfte verschärft wird. Besonders die Fertigungsindustrie leidet unter wachsendem globalem Wettbewerbsdruck und schwindender Fachkompetenz vor Ort. Gleichzeitig erkennt Japan an, im Bereich KI gegenüber Ländern wie China und den USA zurückgefallen zu sein.

In diesem Kontext rückt das Konzept „Physical AI" in den Fokus: Roboter und Maschinen, die auf Basis von KI eigenständig Situationen einschätzen und optimale Handlungen ausführen, ohne ausschließlich auf vorab programmierte Befehle angewiesen zu sein. Laut Fujitsu stoßen einzelne Unternehmen bei der Entwicklung und Verbreitung solcher Systeme jedoch an Grenzen.

Was das Unternehmen konkret macht

Am 16. Juli 2026 gab Fujitsu bekannt, gemeinsam mit FANUC, Yaskawa Electric und Kawasaki Heavy Industries Geschäftsmöglichkeiten im Bereich Physical AI zu erkunden. Ziel ist die Entwicklung einer „kollaborativen Steuerungsplattform", die digitale und physische Welten verbindet und als offene Infrastruktur für beteiligte Unternehmen und Forschungseinrichtungen bereitgestellt werden soll.

Die Initiative sieht drei konkrete Anwendungsfelder vor:

- **Fabrikautomatisierung**: Optimierung der Produktionsplanung unter Berücksichtigung von Schwankungen und Vor-Ort-Bedingungen, mit autonomer Anpassung durch Roboter. - **Einzelhandel und Logistik**: Automatisierung von Materialhandling auf Basis von Echtzeit-Verkaufs- und Bestandsdaten. - **Gesundheitsversorgung**: Autonome Ausführung von Aufgaben wie dem innerbetrieblichen Transport von Medikamenten und Proben sowie der Patientenempfang und -führung in Krankenhäusern.

Fujitsu übernimmt dabei die Rolle des Initiators und koordiniert die Geschäftsgespräche mit den Partnern. Eine gemeinsame Entscheidung über die Gründung eines Joint Ventures wurde zum Zeitpunkt der Ankündigung noch nicht getroffen.

Technik & Ansatz

Die Plattform basiert auf Nvidias Physical-AI-Stack. Konkret kommen folgende Technologien zum Einsatz:

- **NVIDIA Cosmos**: Das globale Foundation-Model wird in Fujitsus sozio-physischen Simulationen eingesetzt, um Ereignisse in realen Umgebungen zu verstehen und vorherzusagen. - **NVIDIA Omniverse** und **NVIDIA Isaac**: Diese Bibliotheken sollen Sim-to-Real-Workflows, also den Übergang von Simulation zu realem Einsatz, sowie das Erlernen, die Verifikation und Optimierung von Roboterverhalten beschleunigen. - **Newton Physics Engine**: Eingesetzt für realitätsnahe physikalische Simulation.

Ein zentrales Ziel ist die Standardisierung und Öffnung der Steuerungsinfrastruktur. Fujitsu will dazu Software-Plattformen und Hardware-Schnittstellen als gemeinsame Grundlage entwickeln, die Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Robotern und Anlagen ermöglicht. Da mit wachsendem Anwendungsbereich auch Risiken wie Cyberangriffe, Systemausfälle und Datenlecks zunehmen, soll die Plattform als „souveräne" Infrastruktur ausgelegt werden.

Fujitsu beabsichtigt zudem, der NVIDIA Cosmos Coalition beizutreten, einem Zusammenschluss, der offene weltweite KI-Modelle für Physical AI fördern soll. Weitere japanische Unternehmen wie Hitachi, NEC, SoftBank und Sony haben ebenfalls die Absicht erklärt, der Coalition beizutreten.

Ergebnisse

Zum Zeitpunkt der Ankündigung befand sich die Initiative in der Erkundungsphase. Konkrete Ergebnisse oder Kennzahlen wurden nicht veröffentlicht. Fujitsu gab an, dass die erste Phase der Zusammenarbeit noch im Jahr 2026 beginnen soll. Ein Roadmap für die technologische Entwicklung und Geschäftsausweitung soll im Zuge der laufenden Partnergespräche erarbeitet werden.

Einordnung

Die Initiative ist eingebettet in eine breitere japanische Industriepolitik: Die Regierung von Premierministerin Sanae Takaichi hat einen Plan angekündigt, bis 2040 mehr als 370 Billionen Yen (umgerechnet rund 2,3 Billionen US-Dollar) an öffentlichen und privaten Investitionen in Technologiefelder wie Physical AI, Halbleiter und Rechenzentren zu mobilisieren.

Nvidia-CEO Jensen Huang hob bei der Ankündigung in Tokio Japans Fertigungsphilosophie hervor: „‚Made in Japan' means the highest quality, the highest precision. Japan sets the standard for the state-of-the-art in modern manufacturing." Huang sieht Physical AI als besonders gut geeignet für Japan, weil die Sicherheitsanforderungen an autonom bewegliche Roboter höchste Präzision voraussetzen.

Die Kooperation zwischen Fujitsu und den drei Robotikunternehmen steht exemplarisch für einen Ansatz, bei dem kein einzelner Akteur die vollständige Plattformentwicklung stemmt, sondern industrieweite Standardisierung angestrebt wird, ein Modell, das Fujitsu ausdrücklich als Voraussetzung für eine flächendeckende Verbreitung von Physical AI in Japan benennt.


Quellen

Unabhängig belegt

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