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Gleiss Lutz

Rechtsdienstleistungen · Deutschland

Unabhängig belegt

Gleiss Lutz nutzt Harvey für KI-gestützte juristische Arbeit

Reifegrad: Im Einsatz

Im Register seit 22.07.2026. Wir verfolgen, was aus diesem KI-Einsatz wird.

Wie nutzt Gleiss Lutz KI?

Gleiss Lutz setzt die KI-Plattform Harvey für juristische Arbeitsprozesse ein, einschließlich der Verarbeitung komplexer Vertragswerke und rechtlicher Recherche, mit Datenspeicherung auf deutschen Servern.

Legal / RechtKI-gestützte juristische ArbeitHarvey (Legal-KI-Plattform)

Auf einen Blick

Unternehmen
Gleiss Lutz
Branche
Rechtsdienstleistungen
Land
Deutschland
Funktion
Legal / Recht
KI-Technik
Harvey (Legal-KI-Plattform)
Ergebnis
Power-User sparen laut Harvey/RSGI-Studie bis zu 11 Stunden Arbeitsaufwand pro Woche

Ausgangslage

Der Markt für spezialisierte KI-Werkzeuge im Rechtsbereich wächst und zieht zunehmend große Technologiekonzerne an. Anthropic, OpenAI, Microsoft, Perplexity und Palantir drängen auf einen Markt, der bislang von spezialisierten Legaltech-Start-ups besetzt war. In Deutschland stehen Großkanzleien damit vor der Frage, welche Plattformen sich für vertrauliche Mandatsarbeit eignen, und welche Anforderungen an Datensicherheit, juristische Präzision und Berufsrecht dabei gelten.

Für deutsche Anwältinnen und Anwälte ist die Frage des Datenschutzes besonders relevant: Mandatsdaten unterliegen der anwaltlichen Verschwiegenheitspflicht, und der rechtliche Status transatlantischer Datentransfers ist umstritten.

Was das Unternehmen konkret macht

Gleiss Lutz, eine der führenden deutschen Wirtschaftskanzleien, nutzt die KI-Plattform Harvey für juristische Arbeitsprozesse. Das geht aus Angaben des Harvey-Geschäftsführers für die DACH-Region hervor, der Gleiss Lutz namentlich als deutschen Kunden nennt. Weitere deutsche Nutzer der Plattform sind demnach die Kanzleien A&O Shearman und Heuking sowie die Rechtsabteilung der Deutschen Telekom.

Harvey ist in Microsoft Word und Microsoft Outlook eingebettet und lässt sich mit Dokumentenmanagementsystemen verbinden. Die Plattform ist damit dort präsent, wo Anwälte ihre tägliche Arbeit erledigen, ohne einen separaten Anwendungswechsel.

Technik & Ansatz

Harvey wurde 2022 in San Francisco gegründet und ist nach eigenen Angaben mit mehr als elf Milliarden US-Dollar bewertet. Die Plattform wurde nach Unternehmensangaben von Anwälten für Anwälte entwickelt und von Beginn an auf juristische Anforderungen ausgelegt: vertrauliche Mandatsdaten, komplexe Vertragswerke, Präzedenzfälle und berufsständische Sorgfaltspflichten.

Technisch arbeitet Harvey mit mehreren KI-Sprachmodellen gleichzeitig, darunter Modelle von Anthropic, OpenAI und dem europäischen Anbieter Mistral, und wählt in einem Automatikmodus das jeweils geeignetste Modell für eine Anfrage aus. Für deutsche Kunden werden Daten in deutschen Rechenzentren gespeichert; auch die Verarbeitung durch die Sprachmodelle selbst kann so konfiguriert werden, dass sie ausschließlich auf europäischen Servern stattfindet. Ein Datenabfluss in die USA findet laut Unternehmensangaben auch beim Einsatz amerikanischer Modelle nicht statt.

Inhaltlich greift Harvey in Deutschland auf Inhalte des Fachverlags Otto Schmidt sowie auf öffentliche Rechtsquellen wie die Rechtsportale der Bundesländer und Bundesgerichte zu. Global besteht eine Kooperation mit dem Informationsdienstleister Wolters Kluwer.

Ergebnisse

Harvey hat gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen RSGI eine Studie zum Effizienzgewinn durch die Plattform veröffentlicht. Demnach spart ein normaler Nutzer, der Harvey gelegentlich einsetzt, im Schnitt rund 4,3 Stunden Arbeitsaufwand pro Woche. Sogenannte Power-User, die Harvey täglich in ihren Arbeitsablauf integriert haben, kommen auf elf Stunden pro Woche.

Laut Harvey ist der Return on Investment in einem Großteil der untersuchten Fälle nach drei Monaten positiv; bei mehr als 30 Prozent der untersuchten Unternehmen bereits nach einem Monat. Als konkretes Zahlenbeispiel nennt Harvey den Agrochemiekonzern Syngenta, der im deutschsprachigen Raum einen Netto-Benefit von 18.000 US-Dollar je Unternehmensjurist und Jahr ausgewiesen hat.

Einordnung

Die Nutzung von KI in der Anwaltschaft ist mit spezifischen Risiken verbunden, die über allgemeine Qualitätsfragen hinausgehen. Ein aktuelles Gerichtsurteil aus Kanada (Québec Superior Court, 22. April 2026) zeigt, dass KI-generierte Quellen, die nie existiert haben, sogenannte Halluzinationen, zur Aufhebung eines Schiedsurteils führen können. Das Gericht stellte fest, dass die Delegation der inhaltlichen Begründung an ein KI-Werkzeug ohne hinreichende Überprüfung gegen den Grundsatz „delegatus non potest delegare" verstößt und die Vertraulichkeit der Beratung verletzt.

Harvey positioniert sich als Plattform, die genau diese Risiken durch juristische Spezialisierung und geprüfte Rechtsquellen reduziert. Ob und wie Gleiss Lutz die Plattform in konkrete Qualitätssicherungsprozesse einbettet, geht aus den vorliegenden Quellen nicht hervor.


Quellen

Unabhängig belegt

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