Sonova

Sonova

Medizintechnik / Hörgeräte · Schweiz

Unabhängig belegt

Sonova: KI-gestützte Sprachverarbeitung im Hörgerät

Reifegrad: Im Einsatz

Im Register seit 25.06.2026. Wir verfolgen, was aus diesem KI-Einsatz wird.

Wie nutzt Sonova KI?

Sonova integriert ein Deep-Neural-Network-basiertes KI-System in seine Hörgeräte der Infinio-Plattform, das Sprache aus allen Richtungen extrahiert und in komplexen Hörsituationen die Sprachverständlichkeit verbessert.

ProduktentwicklungKI-Einsatz im HörgerätKI

Auf einen Blick

Unternehmen
Sonova
Branche
Medizintechnik / Hörgeräte
Land
Schweiz
Funktion
Produktentwicklung
KI-Technik
KI
Ergebnis
Wholesale-Wachstum von 10,9 % in Lokalwährungen im zweiten Halbjahr 2025/26

Ausgangslage

Der Hörgerätemarkt wächst insgesamt moderat. Die Bank of America schätzt das jährliche Marktwachstum auf 3 bis 5 %. Sonova hat sich Ziele gesetzt, die deutlich darüber liegen: 5 bis 10 % Umsatzwachstum und 7 bis 12 % EBIT-CAGR, jeweils in konstanten Währungen. Um diese Ziele zu erreichen, muss das Unternehmen kontinuierlich Marktanteile gewinnen. Als zentrales Mittel dazu setzt Sonova auf KI-gestützte Produktinnovation.

Parallel dazu hat Sonova seine strategische Ausrichtung verschmälert: Das Consumer-Hearing-Geschäft unter der Marke Sennheiser soll veräußert werden. Künftig konzentriert sich das Unternehmen auf Hörgeräte der Marken Phonak und Unitron sowie auf Cochlea-Implantate von Advanced Bionics.

Was das Unternehmen konkret macht

Sonova baut KI und Digitalisierung in seine Produktplattformen ein. Kern ist die Infinio-Plattform, deren Flaggschiff Phonak Infinio Ultra im Oktober 2025 auf den Markt kam. Das Gerät nutzt KI zur automatischen Situationsanpassung über das System AutoSense OS 7.0 sowie zur Sprachverbesserung in komplexen Hörsituationen.

Mit Infinio Ultra Sphere wurde eine Funktion eingeführt, die Stimmen aus allen Richtungen extrahiert und hervorhebt, um die Sprachklarheit in anspruchsvollen Umgebungen zu verbessern. Im August 2025 folgte die Markteinführung von Virto R Infinio, der ersten wiederaufladbaren maßgefertigten Im-Ohr-Lösung des Unternehmens. Dieses Gerät adressiert das wachsende Segment wiederaufladbarer In-the-Ear-Geräte und erzielte nach Unternehmensangaben rasch nennenswerte Marktanteile.

Technik & Ansatz

Die technische Grundlage der KI-Funktionen bildet ein Deep Neural Network (DNN). Dieses ermöglicht nach Einschätzung der Bank of America die Differenzierung im Wettbewerb und stützt die Preisstabilität. Sonova entwickelt zudem den eigenen DEEPSONIC-Chip weiter, der auf verbesserte Energieeffizienz und längere Nutzungsdauer ausgelegt ist.

Die KI-Funktionen sind in das AutoSense-OS-System eingebettet, das Hörumgebungen automatisch erkennt und das Gerät entsprechend anpasst, ohne manuellen Eingriff des Nutzers. Ergänzend wurde das EasyGuard-Wachsmanagement-System eingeführt, das den Empfänger mit einer akustisch transparenten Membran schützt und den Wartungsaufwand reduziert.

CEO Eric Bernard beschreibt den Ansatz als „Technologieführerschaft und audiologische Expertise", die in breitere Marktdurchdringung überführt werden sollen. KI und Digitalisierung werden explizit als strategische Priorität der Produktinnovation genannt.

Ergebnisse

Im Geschäftsjahr 2025/26 erzielte Sonova im Wholesale-Segment ein Wachstum von 10,9 % in Lokalwährungen im zweiten Halbjahr, eine Beschleunigung gegenüber dem ersten Halbjahr. Der Gesamtumsatz aus dem fortgeführten Geschäft betrug 3.605,9 Mio. CHF, was in Lokalwährungen einem Plus von 5,9 % entspricht. Die normalisierte EBITA-Marge stieg von 21,6 % auf 22,5 %.

Das Unternehmen selbst führt das beschleunigte Wachstum im zweiten Halbjahr auf „Technologie- und Innovationsführerschaft sowie konsistente Ausführung" zurück, namentlich auf die Infinio-Plattform. Marktanteilsgewinne werden ebenfalls auf diese Innovationen zurückgeführt, konkrete Marktanteilszahlen nennt das Unternehmen in seinen Mitteilungen jedoch nicht. Die Bank of America spricht von rund 9 % jährlichen Wholesale-Marktanteilsgewinnen, ohne diese Zahl im vorliegenden Material im Detail zu belegen.

Einordnung

Hörgeräte werden zunehmend über Algorithmen und Software differenziert, nicht nur über Hardware. KI-gestützte Sprachverarbeitung kann nach Einschätzung von Marktbeobachtern Preisstabilität stützen und nachhaltige Marktanteilsgewinne ermöglichen, beides notwendig, um in einem langsam wachsenden Gesamtmarkt überdurchschnittlich zu wachsen.

Gleichzeitig gilt: Wettbewerber können Funktionen schnell kopieren, und die Erwartungen an KI-Features steigen kontinuierlich. Sonova konzentriert sich strategisch auf seine Kernkompetenz und investiert die eingesparten Mittel aus dem Sennheiser-Verkauf in Produktentwicklung und lokale Marktbearbeitung. Ob die gesetzten Mittelfristziele erreichbar sind, hängt nach Einschätzung der Bank of America davon ab, ob die Marktanteilsgewinne sich weiter in den Zahlen niederschlagen, insbesondere in Wachstumsregionen wie Asien.


Quellen

Unabhängig belegt

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