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Svenska Dagbladet: Verdeckte Recherche zu Metas KI-Brillen und Datenschutz

Reifegrad: Skaliert

Im Register seit 02.07.2026. Wir verfolgen, was aus diesem KI-Einsatz wird.

Wie nutzt Svenska Dagbladet KI?

Svenska Dagbladet und Göteborgs-Posten decken durch Recherchen in Nairobi auf, dass Metas KI-Brillen intime Videoaufnahmen von Nutzern an menschliche Datenannotatoren des Subunternehmens Sama in Kenia weiterleiten, ohne dass Nutzer dies im Alltag erkennen.

Redaktion / RechercheInvestigative Recherche zu KI-Brillen und DatenschutzSmart Glasses

Auf einen Blick

Unternehmen
Svenska Dagbladet
Branche
Medien / Journalismus
Land
Schweden
Funktion
Redaktion / Recherche
KI-Technik
Smart Glasses
Ergebnis
Annotatoren in Nairobi sichteten Videomaterial mit Nacktaufnahmen, Toilettenbesuchen, Sexszenen und Bankkarteninformationen von Nutzern der Meta Ray-Ban Glasses

Ausgangslage

Meta vermarktete seine Ray-Ban Meta Glasses als Allround-Assistent, der Nutzern ermöglicht, KI-Funktionen freihändig zu nutzen, für Übersetzungen, Fragen über die Umgebung oder das Festhalten von Momenten. In der Werbung trat unter anderem der Eishockeyspieler Peter Forsberg auf, der die Brille per Sprachbefehl befragte. Mark Zuckerberg präsentierte das Produkt im September 2025 in Menlo Park als möglichen Nachfolger des Smartphones.

Was öffentlich kaum bekannt war: Aktivieren Nutzer die KI-Funktion, können die dabei entstandenen Bild- und Videodaten von menschlichen Mitarbeitern gesichtet werden, zum Zweck des KI-Trainings. Diese Praxis ist in Metas Nutzungsbedingungen vermerkt, jedoch nach Darstellung der SvD-Reporter nur nach gezielter Suche auffindbar.

Was das Unternehmen konkret macht

SvD und GP reisten nach Nairobi, wo sie Mitarbeiter des Meta-Subunternehmers Sama in einem Hotel abseits von deren Arbeitsplatz trafen. Sama betreibt auf dem Mombasa Road in Nairobi ein großes Bürokomplex, in dem sogenannte Datenannotatoren KI-Systeme trainieren: Sie beschriften Bilder, ziehen Konturen nach und benennen Objekte, damit die nächste Generation smarter Brillen visuelle Daten besser interpretieren kann.

Die Mitarbeiter hatten umfangreiche Geheimhaltungsvereinbarungen unterzeichnet. SvD und GP veröffentlichten daher keine Namen. Die Journalisten führten die Gespräche unter Bedingungen, die den Quellen Schutz boten, und dokumentierten deren Schilderungen.

Technik & Ansatz

Die Ray-Ban Meta Glasses verfügen über eine integrierte Kamera, die Nutzer manuell oder per Sprachbefehl aktivieren. Wenn Nutzer Inhalte mit Meta AI teilen, werden diese laut Meta durch automatisierte Filter verarbeitet, unter anderem durch Weichzeichnen von Gesichtern. Zusätzlich können menschliche Auftragnehmer die Daten einsehen, um die KI-Modelle zu verbessern. Diese Praxis ist Bestandteil der ergänzenden Nutzungsbedingungen von Meta.

Die Sama-Mitarbeiter in Nairobi arbeiteten laut ihren Aussagen auch mit Transkriptionen von Sprachinteraktionen zwischen Nutzern und dem KI-Assistenten der Brille. Dabei prüften sie, ob der Assistent Fragen korrekt beantwortet hatte. Die Büroräume waren mit Kameras ausgestattet; private Mobiltelefone waren auf dem Arbeitsgelände verboten.

Ergebnisse

Mehrere Annotatoren schilderten SvD und GP übereinstimmend, dass das gesichtete Material hochsensible Inhalte enthielt. Darunter: Aufnahmen von Personen auf der Toilette oder beim Ausziehen, Sexszenen, bei denen der Brillenträger selbst filmte, sowie sichtbare Bankkartennummern. Ein Mitarbeiter beschrieb einen Fall, in dem ein Mann die Brille auf dem Nachttisch ablegte und verließ, woraufhin seine Frau das Zimmer betrat und sich umzog.

„Wir sehen alles, von Wohnzimmern bis hin zu nackten Körpern", zitierte SvD einen der Mitarbeiter.

Ein anderer Mitarbeiter sagte: „Ich glaube nicht, dass sie es wissen, denn wenn sie es wüssten, würden sie nicht aufnehmen."

Meta bestätigte gegenüber der BBC, dass Subunternehmer Daten einsehen können, und verwies auf die eigene Datenschutzrichtlinie. Das Unternehmen erklärte, Daten würden vor der Weitergabe gefiltert, räumte jedoch ein, dass dieser Filter nicht immer einwandfrei funktioniere und Gesichter sichtbar bleiben könnten.

Die britische Datenschutzbehörde ICO bezeichnete die Berichte als „besorgniserregend" und kündigte an, Meta schriftlich um Auskunft zu bitten, wie das Unternehmen seinen Pflichten nach britischem Datenschutzrecht nachkomme. Ein von SvD zitierter Datenschutzanwalt verwies darauf, dass die Weitergabe solcher Daten an Stellen außerhalb der EU den Anforderungen der DSGVO an Transparenz unterliege.

Einordnung

Die Recherche von SvD und GP beleuchtet eine strukturelle Eigenschaft moderner KI-Systeme: Sprachmodelle und Bilderkennungssysteme werden zu wesentlichen Teilen durch manuelle Annotationsarbeit trainiert, die häufig in Niedriglohnländern stattfindet. Im vorliegenden Fall bedeutet das, dass Videodaten aus europäischen Haushalten von Mitarbeitern in Kenia verarbeitet werden, unter Bedingungen, die für die Nutzer der Brille im Alltag nicht erkennbar sind.

Sama, das betroffene Subunternehmen, erklärte gegenüber der BBC, die Arbeit erfolge in gesicherten Einrichtungen, alle Mitarbeiter würden in Datenschutz geschult und die Tätigkeit entspreche internationalen Vorschriften. Zum konkreten Mandatsverhältnis mit Meta äußerte sich Sama nicht.

Die Brille verfügt über eine Kontrollleuchte, die bei aktiver Aufnahme leuchtet. Ob Dritte im Umfeld des Brillenträgers diese wahrnehmen oder verstehen, ist durch die Recherche nicht belegt.


Quellen

Unabhängig belegt

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