Unilever

Unilever

Konsumgüter · Vereinigtes Königreich / Niederlande

Unabhängig belegt

Unilever: KI in der Produktentwicklung und Fertigungsoptimierung, von Verbrauchersimulation bis digitalem Zwilling

Reifegrad: Skaliert

Im Register seit 16.06.2026. Wir verfolgen, was aus diesem KI-Einsatz wird.

Wie nutzt Unilever KI?

Unilever setzt KI-gestützte virtuelle Kohorten und ein R&D-Assistenzsystem ein, um Verbraucherreaktionen vor physischen Tests zu simulieren und über 150.000 Forschungsdokumente für die Produktentwicklung nutzbar zu machen, ergänzt durch KI-Analysen von mehr als 100.000 Datenpunkten zu Haareigenschaften und digitaler Mikrobiom-Auswertung für die Inhaltsstoffforschung.

Forschung & EntwicklungKI-gestützte Produktentwicklung und Szenario-Modellierung auf Basis von VerbraucherlabordatenPredictive Modelling / KI-Modellierung

Auf einen Blick

Unternehmen
Unilever
Branche
Konsumgüter
Land
Vereinigtes Königreich / Niederlande
Funktion
Forschung & Entwicklung
KI-Technik
Predictive Modelling / KI-Modellierung
Ergebnis
Digitaler Zwilling in Raeford (USA): 95 % Vorhersagegenauigkeit bei Prozessflussrestriktionen, 20 % weniger Ausschuss, 10 % mehr Kapazität; Poznan (Polen): bis zu 30 % weniger Ausschuss; Gandhidham (Indien): 30 % weniger Qualitätsdefekte über vier Jahre

Ausgangslage

Das zentrale Problem für Unilevers Forschungs- und Entwicklungsabteilung war lange Zeit nicht die Datenmenge, sondern die Analysegeschwindigkeit. Jason Harcup, Chief R&D Officer für Beauty & Wellbeing und seit 27 Jahren im Unternehmen, beschreibt die Lage so: „Früher war der Engpass, dass wir Daten nicht schnell genug erfassen konnten. Dann wurde das Problem, dass wir sie nicht schnell genug analysieren konnten, wir suchten nach Leuten mit Doktortiteln, die mehr Daten sichten konnten, als wir in einem Leben hätten analysieren können." Die Frage lautete demnach: Wie lassen sich Verbrauchernutzen und biologisch-chemische Wirkziele systematisch und skalierbar erschließen?

Was das Unternehmen konkret macht

Unilever hat mehrere KI-Werkzeuge in seinen Entwicklungsprozess integriert. Ein sogenanntes **Virtual Cohort System** bewertet, wie unterschiedliche Verbrauchergruppen auf Produkte reagieren könnten, noch bevor physische Tests beginnen. Parallel dazu ermöglicht der **R&D Assistant** den Mitarbeitenden Zugriff auf mehr als 150.000 interne Dokumente und Forschungsergebnisse.

Diese Ansätze fließen konkret in die Produktentwicklung für Unilevers 30 Kernmarken ein. Für die Dove-Linie „Damage Therapy" analysierten Wissenschaftler mit KI mehr als 100.000 Datenpunkte zu Haareigenschaften, um zu verstehen, wie Formeln in Haarfasern eindringen, Grundlage für die entwickelte Bio-Protein-Care-Technologie. Für das Pond's-Produkt „Hydra Miracle" wurden Mikrobiom-Daten digital ausgewertet, um Inhaltsstoffkombinationen zu identifizieren, die die Hautbarriere stärken und die Hydration fördern; das Ergebnis ist die sogenannte Cera-Hyamino-Technologie.

Technik & Ansatz

Harcup ordnet die Entwicklung in einen längeren Prozess ein: Unilever hatte bereits frühere KI-Generationen implementiert, hat das Tempo jedoch in den letzten Jahren erhöht. Neben dem Virtual Cohort System und dem R&D Assistant arbeitet das Unternehmen an einem Global Innovation Center in New Haven, Connecticut, das auf KI-gestützte und quantenbasierte Forschung ausgerichtet sein soll. Das Zentrum soll Formulierung, Duftstoffe, Verpackung und Verbrauchererkenntnisse unter einem Dach vereinen.

Im Bereich Produktionstechnik kooperiert Unilever seit Juni 2026 mit Accenture, um KI-gestützte **digitale Zwillinge** über das globale Fertigungsnetzwerk zu skalieren. Diese virtuellen Modelle von Fabrikausrüstung und Produktionslinien nutzen Echtzeit-Daten, um Maschinenzustände zu überwachen, Szenarien zu simulieren und Wartungsbedarfe vorherzusagen. Innerhalb von 18 Monaten sollen mehr als 40 neue digitale Zwillinge aufgebaut werden.

Ergebnisse

Aus bereits laufenden Piloten liegen konkrete Zahlen vor:

- Im Werk Raeford (North Carolina, USA), Produktion von Dove, Degree und Axe, sagt ein digitaler Zwilling 95 % der Prozessflussrestriktionen in der Deodorant-Fertigung vorher. Das Ergebnis: **20 % weniger Ausschuss** und **10 % mehr Kapazität**. - Im Werk Poznan (Polen), Knorr und Hellmann's, stabilisiert ein digitaler Zwilling die Viskosität von Mayonnaise, reduziert kleinere Produktionsstopps um bis zu **20 %** und senkt den Ausschuss um knapp **30 %**. - Im Werk Gandhidham (Indien), Dove-Seife, wurden Qualitätsdefekte über vier Jahre um **30 %** reduziert, gemessen in Distributionszentren vor der Auslieferung. - Im Werk Cu Chi (Vietnam), flüssige Haushaltsreiniger wie OMO, erzielt ein KI-gestützter intelligenter Mischer **1 bis 2 % Einsparungen bei Premium-Inhaltsstoffen** durch optimierte Rohstoffdosierung. - Im Werk Haldia (Indien), Waschmittelpulver wie Surf und Sunlight, optimiert ein Energie-Zwilling Lüftergeschwindigkeiten, Temperaturen und Feuchtigkeitssteuerung, was zu einer messbaren Reduzierung des Wärmeenergieverbrauchs über zwei Jahre geführt hat.

Einordnung

Unilevers Ansatz verbindet zwei Ebenen: die vorgelagerte Produktentwicklung durch Datensimulation und KI-gestützte Inhaltsstoffforschung sowie die nachgelagerte Fertigungsoptimierung durch digitale Zwillinge. Harcup beschreibt den strategischen Rahmen als vollständige Abdeckung der Wertschöpfungskette: „Es scheint absolut auf uns zugeschnitten, unsere Wertschöpfungskette von Anfang bis Ende." Das Unternehmen hält laut Angaben des World Economic Forum die meisten Auszeichnungen im Konsumgütersektor im Global Lighthouse Network, einem Netzwerk für fortschrittliche Fertigungstechnologie.


Quellen

Unabhängig belegt

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