ABB
Industrie / Technologie · Schweiz
ABB: KI-gestützte Kostenreduktion und physische KI für die industrielle Automatisierung
Im Register seit 27.06.2026. Wir verfolgen, was aus diesem KI-Einsatz wird.
Wie nutzt ABB KI?
ABB hat durch den Einsatz von KI in einzelnen Unternehmensbereichen Kostenreduktionen von bis zu 35 Prozent realisiert und integriert NVIDIA-Omniverse-Bibliotheken in seine RobotStudio-Software, um den Sim-to-Real-Gap in der industriellen Robotik zu schließen.
Auf einen Blick
- Unternehmen
- ABB
- Branche
- Industrie / Technologie
- Land
- Schweiz
- Funktion
- Produktion / Betrieb
- Ergebnis
- Kostenreduktionen von bis zu 35 % in einzelnen Bereichen (BDO-Analyse); bis zu 40 % Kostenreduktion und 80 % kürzere Einrichtungszeiten durch RobotStudio HyperReality
Ausgangslage
ABB ist ein Schweizer Industrie- und Technologiekonzern mit Schwerpunkten in Elektrifizierung, Automatisierung und digitaler Technologie. Laut einer von BDO ausgewerteten Analyse nationaler und internationaler Studien hat ABB in einzelnen Unternehmensbereichen Kostenreduktionen von bis zu 35 Prozent durch den Einsatz von KI realisiert. Die Analyse nennt ABB dabei als Beispiel für Großunternehmen, die KI bereits in ihre Wertschöpfung integriert haben, im Gegensatz zu vielen Schweizer KMU, die häufig in der Pilotphase verbleiben.
Ein zentrales technisches Problem in der industriellen Robotik war der sogenannte „Sim-to-Real-Gap": die Differenz zwischen der Genauigkeit von Simulationsumgebungen und den realen Bedingungen in Produktion und Montage. Dieser Gap hat laut ABB über Jahrzehnte die Möglichkeiten eingeschränkt, Fertigungsprozesse vollständig virtuell zu entwickeln und zu validieren.
Was das Unternehmen konkret macht
ABB Robotics hat seine Simulationssoftware RobotStudio® mit NVIDIA-Omniverse-Bibliotheken integriert. Das daraus entstandene Produkt trägt den Namen RobotStudio HyperReality. Es erlaubt Herstellern, Roboter in physikalisch präzisen digitalen Zwillingen zu trainieren, synthetische Daten für KI-Modelle zu generieren und Produktionslinien virtuell zu optimieren, bevor physische Aufbauten stattfinden.
Foxconn, der weltgrößte Auftragsfertiger für Elektronik, pilotiert den ersten gemeinsamen Anwendungsfall in der Montage von Konsumgüterelektronik. Dabei werden Montage-Roboter virtuell mit synthetischen Daten trainiert, um mehrere reale Produktionsprozesse in verschiedenen Szenarien zu optimieren, bevor sie auf die Produktionslinie wechseln.
Zusätzlich prüft ABB Robotics die Integration des NVIDIA-Jetson-Edge-Computing-Plattform in seinen Omnicore-Controller, um KI-Inferenz in Echtzeit direkt an der Maschine zu ermöglichen.
Parallel dazu kooperiert ABB mit NVIDIA im Bereich der Datenzentrum-Infrastruktur: ABB stellt Schaltanlagen, USV-Einheiten und DC-Stromversorgungsplattformen als sogenannte „SimReady"-3D-Modelle bereit, die in NVIDIA Omniverse DSX-Designwerkzeuge eingebunden werden können. Dies ermöglicht es, ABB-Hardware früh in der Planungsphase von KI-Rechenzentren zu spezifizieren.
Technik & Ansatz
Kernstück des Ansatzes ist die Kombination von ABBs RobotStudio, der einzigen Robotersimulationssoftware mit einem virtuellen Controller, der identische Firmware wie die reale Hardware verwendet, mit der physikalisch präzisen Simulationsumgebung von NVIDIA Omniverse. Diese Kombination soll den Sim-to-Real-Gap mit bis zu 99 Prozent Genauigkeit schließen.
Ergänzend kommt ABBs „Absolute Accuracy"-Technologie zum Einsatz, die Positionierungsfehler von ursprünglich 8 bis 15 Millimetern auf rund 0,5 Millimeter reduziert. Die trainierten Modelle werden kontinuierlich mit Rückmeldungen aus realen Einsätzen verbessert und können für beliebig viele ABB-Roboter weltweit genutzt werden.
RobotStudio HyperReality ist für die zweite Jahreshälfte 2026 zur allgemeinen Verfügbarkeit angekündigt. Ausgewählte Kunden testen das System bereits vorab; ABBs RobotStudio-Kundenbasis umfasst nach eigenen Angaben 60.000 Nutzer weltweit.
Ergebnisse
Laut ABB ermöglicht RobotStudio HyperReality folgende Verbesserungen gegenüber herkömmlichen Ansätzen:
- Reduktion von Einrichtungs- und Inbetriebnahmezeiten um bis zu 80 Prozent - Kostenreduktion um bis zu 40 Prozent durch den Wegfall physischer Prototypen - Verkürzung der Markteinführungszeit für komplexe Produkte wie Konsumgüterelektronik um 50 Prozent - Simulationsgenauigkeit von bis zu 99 Prozent im Vergleich zur realen Umgebung
Auf Unternehmensebene weist die BDO-Analyse für ABB Kostenreduktionen von bis zu 35 Prozent in einzelnen Bereichen durch KI-Einsatz aus. Eine Zuordnung dieser Zahl zu spezifischen Anwendungen oder Geschäftsbereichen ist auf Basis der vorliegenden Quellen nicht möglich.
Einordnung
Im Oktober 2025 veräußerte ABB seine Robotiksparte für 5,4 Milliarden US-Dollar an den japanischen Investor SoftBank. SoftBank beabsichtigt, ABB Robotics in seine „Physical AI"-Strategie zu integrieren, die industrielle Automatisierung mit KI und Computing verbindet. ABB gab an, die Erlöse in wachstumsstarke Bereiche reinvestieren zu wollen.
Die Transaktion war der fünftgrößte M&A-Deal in der Schweiz im Jahr 2025. Mit dem Verkauf konzentriert sich ABB künftig stärker auf Elektrifizierung, Motion und Prozessautomatisierung sowie auf seine Rolle als Zulieferer für KI-Rechenzentrum-Infrastruktur in Zusammenarbeit mit NVIDIA. RobotStudio HyperReality entstand unter ABB-Robotics-Regie und wird nach dem Eigentümerwechsel unter SoftBank weitergeführt.
Quellen
Unabhängig belegtVon einer unabhängigen Quelle (Redaktion/Dritter) berichtet, nicht nur vom Unternehmen oder KI-Anbieter.
- ↗BDO: KI-Adoption – Die Kluft zwischen Grossunternehmen und KMU wächst - Moneycab
- ↗Japanese SoftBank acquires robotics arm of ABB to create super AI - SWI swissinfo.ch
- ↗ABB Reshapes AI Data Center Focus As Robotics Move Nears SoftBank - Yahoo Finance
- ↗ABB Robotics Partners with NVIDIA to Deliver Industrial-Grade Physical AI at Scale - ABB
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