Zoom Books
Buchhandel / Datenbeschaffung · Kanada
Zoom Books: Massenkauf und Vernichtung gebrauchter Bücher als KI-Trainingsdaten
Im Register seit 11.07.2026. Wir verfolgen, was aus diesem KI-Einsatz wird.
Wie nutzt Zoom Books KI?
Zoom Books kauft in Deutschland, der Schweiz und anderen deutschsprachigen Ländern gebrauchte Sachbücher in großen Mengen auf, lässt sie einscannen und vernichtet anschließend die physischen Exemplare, um digitale Trainingsdaten für KI-Sprachmodelle zu gewinnen.
Auf einen Blick
- Unternehmen
- Zoom Books
- Land
- Kanada
- Funktion
- Datenbeschaffung / Lieferkette
- KI-Technik
- LLM-Training (Sprachmodelle)
- Ergebnis
- Ankauf von bis zu einer Million Bücher pro Auftrag (laut ISBNdb-Angaben); Anthropics internes Projekt zielte auf 500.000 bis zwei Millionen Bücher in sechs Monaten
Ausgangslage
KI-Unternehmen suchen zunehmend nach Textmaterial, das frei von KI-generierten Inhalten ist. Frei im Internet verfügbare Texte werden nach Branchenberichten knapper, weshalb Unternehmen auf ältere gedruckte Bücher ausweichen. Bevorzugt werden Titel, die vor 2022 erschienen sind, also vor der breiten Verbreitung großer Sprachmodelle. Der Broker ISBNdb, der Großbestellungen für KI-Kunden vermittelt, beschreibt diesen Ansatz auf seiner Website mit dem Satz: „The world's best AI training data is sitting on a shelf.“ Als Begründung für den Fokus auf gedruckte Bücher gibt ISBNdb an, diese seien frei von KI-generiertem Inhalt.
Branchenberichte und Gerichtsunterlagen zeigen, dass diese Praxis in den USA bereits seit einiger Zeit existiert. Neu ist, dass sie sich nun offenbar in fremdsprachige Märkte ausweitet.
Was das Unternehmen konkret macht
Das kanadisch-amerikanische Unternehmen Zoom Books tritt laut Berichten des deutschen öffentlich-rechtlichen Senders SWR und des Schweizer Senders SRF als Käufer in deutschsprachigen Antiquariaten auf. Buchhändler in Deutschland haben demnach über Nacht eingehende Großbestellungen von Zoom Books registriert, die sich auf thematisch unzusammenhängende wissenschaftliche und fachspezifische Werke konzentrierten. Der Tübinger Buchhändler Roger Sonnewald erklärte gegenüber SWR, die Käufe seien zwar legal, die vermutete Vernichtung der Bücher könne jedoch zum Verlust von Kulturgut führen.
Der Fokus liegt laut Berichten auf Sachbüchern und Spezialtiteln aus dem Zeitraum ab den 1970er-Jahren, die eine ISBN tragen und nicht mehr in großer Auflage auf dem Markt sind. Händler in den Niederlanden, Deutschland, der Schweiz und Spanien berichteten von Bestellungen, die nicht dem typischen Muster von Sammler- oder Wiederverkaufskäufen entsprachen. Der niederländische Antiquar Pieter de Vries aus Haarlem erhielt nach vorliegenden Berichten eine Anfrage für fast 3.000 Titel von einer in Singapur ansässigen Firma.
Technik & Ansatz
Die angekauften Bücher werden nach vorliegenden Berichten maschinell zerstört, um ihren Inhalt zu digitalisieren. Das Verfahren läuft wie folgt ab: Ein hydraulisch betriebener Schneidautomat entfernt den Buchrücken, die Seiten werden anschließend mit industriellen Hochgeschwindigkeitsscannern erfasst, und die physischen Originale werden entsorgt oder recycelt. Dieses destruktive Scanverfahren ist schneller und kostengünstiger als nicht-destruktive Alternativen.
Die rechtliche Grundlage für dieses Vorgehen liefert eine Entscheidung des US-Bundesrichters William Alsup vom Juni 2025 im Verfahren Bartz v. Anthropic. Darin stellte das Gericht fest, dass die Digitalisierung legal erworbener gedruckter Bücher zum Zweck des KI-Trainings unter die US-amerikanische Fair-Use-Doktrin fällt, unter der Bedingung, dass die physischen Exemplare vernichtet werden und keine zusätzlichen Kopien entstehen oder weitergegeben werden. ISBNdb weist auf seiner Website darauf hin, dass der Kauf und die Vernichtung physischer Bücher als Methode gilt, sich auf das US-amerikanische Fair-Use-Prinzip stützen zu können.
Der Broker ISBNdb vermittelt Bestellungen von 1.000 bis zu einer Million Bücher und bietet Käufern Geheimhaltungsvereinbarungen an. Auf seiner Website heißt es explizit: „The optics problem is real. 'AI company destroys two million books' is not a headline that generates sympathy.“
Ergebnisse
Konkrete Zahlen zu Zoom Books' Ankaufvolumen in Deutschland oder der Schweiz liegen öffentlich nicht vor. Im US-amerikanischen Kontext dokumentierten Gerichtsunterlagen im Zusammenhang mit Anthropics internem Vorhaben „Project Panama“ einen Lieferantenvorschlag, der die Digitalisierung von 500.000 bis zwei Millionen Bücher in einem Zeitraum von sechs Monaten vorsah. ISBNdb ermöglicht nach eigenen Angaben Bestellungen bis zu einer Million Exemplare pro Auftrag.
Buchhändler äußerten Bedenken, dass seltene Ausgaben mit wenigen verbleibenden Exemplaren aus dem Umlauf entfernt werden. Einer anonymen Quelle gegenüber dem US-Medium 404 Media zufolge räumen die Käufe zwar Lagerbestände auf, werfen aber Fragen hinsichtlich des Verbleibs seltener Bände auf.
Einordnung
Die Berichte über Zoom Books stehen im Kontext einer breiteren Praxis, die in den USA bereits gerichtlich behandelt wurde. Anthropics „Project Panama“, ein intern so bezeichnetes Vorhaben, das laut einem internen Planungsdokument das Ziel verfolgte, „all the books in the world“ destruktiv zu scannen, wurde bewusst nicht öffentlich kommuniziert. Das Dokument hielt fest, man verwende einen „soft codename“, weil man nicht wolle, „that we are working on this.“
Für Europa stellt sich die rechtliche Lage anders dar: Das EU-Urheberrecht kennt keine flexible Fair-Use-Klausel. SRF berichtete, manche KI-Unternehmen betrachteten den Kauf, das Scannen und die Vernichtung physischer Bücher als Weg, sich explizit auf das US-amerikanische Fair-Use-Prinzip zu stützen. Ob und wie die europäische Text-und-Data-Mining-Ausnahme mit ihrer Opt-out-Struktur auf diese Praxis anwendbar ist, bleibt eine offene rechtliche Frage.
Bibliotheksverbände und Buchhandelsorganisationen hatten Fragen der digitalen Bestandserhaltung bereits früher thematisiert, allerdings in einem anderen Zusammenhang und noch vor den aktuellen Berichten über industrielles destruktives Scannen. Öffentliche Stellungnahmen von Bundesbehörden oder Bildungsorganisationen speziell zu dieser Praxis lagen zum Zeitpunkt der vorliegenden Berichte nicht vor.
Quellen
Unabhängig belegtVon einer unabhängigen Quelle (Redaktion/Dritter) berichtet, nicht nur vom Unternehmen oder KI-Anbieter.
- ↗Eine kanadische Firma kauft gebrauchte Bücher in der Schweiz – was das mit KI zu tun hat - Watson
- ↗KI-Firmen kaufen Antiquariate leer – und vernichten die Bücher - SWI swissinfo.ch
- ↗Kaufen, scannen, vernichten: warum KI-Firmen gebrauchte Bücher aufkaufen - NZZ – Neue Zürcher Zeitung
- ↗Is Amazon Facilitating AI Destruction of Books? - EcommerceBytes
- ↗Are in-person workshops dead? How virtual learning can be as good as the real thing - Chief Learning Officer
- ↗DC Unveils Graphic Novel Lines for YA and Middle-Grade Audiences - The Hollywood Reporter
- ↗AI companies buy books en masse to train language models, then destroy them - Time - vreme.com
- ↗AI Is Eating the Book World - Verfassungsblog
- ↗Around the Book World: Monday, July 6th, 2026 - Publishing Perspectives
- ↗AI firms' mass purchase and destruction of books for model training fuels copyright debate - Anadolu Ajansı
- ↗First they came for the newspapers and now AI firms are buying thousands of books to train models - TRT World
- ↗The Vanishing Page: AI Firms Scan Then Destroy Rare Book Editions - Dallas Express
KI Cases fasst öffentlich berichtete Einsätze neutral zusammen und verlinkt die Originalquellen. Maßgeblich ist die jeweilige Quelle.
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