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Echt oder Hype? KI in Produktion und Industrie

Von der Erdbeerfarm bis zur Stahlhütte: Was KI in der Industrie wirklich leistet und wo die Lücken noch klaffen.

Das Versprechen klingt vertraut: KI macht Fabriken effizienter, Lieferketten schlanker, Wartung vorausschauend. Doch was steckt dahinter, wenn man die konkreten Fälle durchleuchtet? Überraschend viel, ehrlich gesagt.

Die meisten der hier besprochenen Fälle sind nicht mehr im Pilotmodus, sondern produktiv im Einsatz oder bereits breit skaliert. BMW Group kommuniziert auf der Produktionslinie in Echtzeit zwischen Fahrzeug und Fertigungssystem, erkennt Montagefehler selbstständig und steuert Einparkassistenz auf dem Werksgelände, alles mit der eigenentwickelten Car2X-Technologie. ABB meldet Kostenreduktionen von bis zu 35 Prozent in einzelnen Bereichen und hat NVIDIA-Omniverse-Bibliotheken in seine RobotStudio-Software integriert, um den Sim-to-Real-Gap in der Robotik zu schließen. VinFast überwacht Fertigungsprozesse in Echtzeit und erkennt Fehler, bevor sie entstehen. Das ist keine Folienpräsentation mehr.

Auch im Mittelstand passiert Konkretes. Vacom GmbH setzt KI in der Fertigungsplanung ein, weil die Datenmenge für menschliche Planer schlicht nicht mehr handhabbar ist. Elka-Holzwerke hat seine Spanplattenpresse mit rund 2.000 Sensoren ausgestattet und kündigt 30 Prozent höhere Effizienz sowie 40 Prozent weniger CO₂ an, allerdings noch im Pilotbetrieb. Der Dachdeckerbetrieb Kirschbaum-Konsek liefert vielleicht den unerwarteten Beweis für die Breite dieser Welle: Ein auf ChatGPT und Codex basierender Spengler-Agent berechnet Blechzuschnitte in Sekunden, was zuvor manuell, zeitintensiv und fehleranfällig war. Wilo führt einen unternehmensweiten "KI-Führerschein" für Werker ein und verankert das strategisch in einer Water-AI-Strategie. Siemens Gerätewerk Erlangen erprobt digitale Zwillinge und adaptive Fertigungskonzepte im Customer-Zero-Ansatz.

Wo bleibt dann die Skepsis? Thyssenkrupp hat seine Physical-AI-Infrastruktur mit autonomen Robocams, Drohnen und einer Unified Data Layer noch im Pilot. Elka-Holzwerke kündigt beeindruckende Zahlen an, die Praxis muss zeigen, ob sie halten. Und ein anonymes Chemiewerk nutzt Munich Res Insure-AI-Dienst für dynamische Risikoprofile, ohne dass externe Validierung vorliegt. Einzelne Fälle bleiben also noch im Versuchsstadium.

Der Erdbeerbetrieb Franz Josef Schäfer in Eckendorf überwacht 350.000 Pflanzen auf sieben Hektar mit KI-Kameras. Das klingt nach einer Randnotiz, ist aber symptomatisch: KI in der Produktion findet längst nicht mehr nur in Konzernen statt. Die Durchdringung reicht bis in Nischenbetriebe, Handwerk und Landwirtschaft.

Takeaway: KI in Produktion und Industrie ist kein Hype mehr, zumindest nicht überwiegend. Die Mehrzahl der Fälle ist produktiv und liefert messbare Ergebnisse, von ABBs Kostensenkungen über BMWs Car2X bis zu Vacoms Fertigungsplanung. Die offene Frage ist nicht ob, sondern wie schnell Piloten wie bei Thyssenkrupp oder Elka-Holzwerke in den gleichen Reifegrad kommen. Wer jetzt noch auf Abwarten setzt, erklärt damit die Konkurrenz zum Maßstab.

Fälle dazu

Einordnung auf Basis der im Register dokumentierten Fälle und ihrer Quellen. Reifegrad und Verlauf je Fall sind auf der jeweiligen Fallseite belegt.

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